Process Mapping: Der komplette Guide für Einsteiger (2026)
Schritt-für-Schritt Anleitung zum Prozessmapping mit Templates, Tools und Best Practices.
Process Mapping – oder auf Deutsch Prozessmapping – ist der erste Schritt zu effizienteren Arbeitsabläufen. Bevor Sie automatisieren können, müssen Sie verstehen, was Sie automatisieren. In diesem Guide lernen Sie, wie Sie Ihre Geschäftsprozesse systematisch erfassen und visualisieren. Ergänzend dazu empfehlen wir unseren Artikel über Prozessoptimierung-Methoden.
Was ist Process Mapping?
Process Mapping ist die visuelle Darstellung eines Arbeitsablaufs von Anfang bis Ende. Es zeigt:
- Welche Schritte in welcher Reihenfolge ablaufen
- Wer für welchen Schritt verantwortlich ist
- Welche Entscheidungen getroffen werden
- Wo Daten fließen
- Wo Engpässe und Probleme entstehen
Ohne klare Prozessdokumentation passiert Folgendes:
- Wissen steckt in einzelnen Köpfen
- Fehler werden wiederholt
- Einarbeitung dauert ewig
- Automatisierung scheitert
- Ineffizienzen bleiben unsichtbar
Die 5 wichtigsten Process Mapping Methoden
1. Flowchart (Flussdiagramm)
Die klassische Methode mit standardisierten Symbolen:
- Oval: Start/Ende
- Rechteck: Aktivität/Aufgabe
- Raute: Entscheidung (Ja/Nein)
- Pfeil: Ablaufrichtung
- Parallelogramm: Daten-Input/Output
2. Swimlane-Diagramm
Erweitert das Flowchart um horizontale oder vertikale "Bahnen", die Verantwortlichkeiten zeigen.
| Vertrieb | [Lead kommt rein] --> [Qualifizierung] -------->|
| Marketing | [Nurturing] --->|
| Sales | [Angebot erstellen] --> [Abschluss]
Beste für: Prozesse mit mehreren Abteilungen/Personen
3. BPMN (Business Process Model and Notation)
Der Industriestandard für komplexe Geschäftsprozesse:
- Standardisierte Notation
- Software-kompatibel
- Detaillierte Ereignisse und Gateways
- International anerkannt
4. Value Stream Mapping
Fokussiert auf Wertschöpfung und Verschwendung:
- Unterscheidet wertschöpfende und nicht-wertschöpfende Aktivitäten
- Misst Durchlaufzeiten
- Identifiziert Wartezeiten
- Stammt aus Lean Management
5. SIPOC-Diagramm
High-Level-Übersicht eines Prozesses:
- Supplier: Wer liefert Input?
- Input: Was wird benötigt?
- Process: Was passiert (3-7 Schritte)?
- Output: Was kommt raus?
- Customer: Wer erhält das Ergebnis?
Process Mapping in 6 Schritten
Schritt 1: Prozess auswählen
Beginnen Sie mit einem Prozess, der:
- Häufig durchgeführt wird
- Probleme verursacht
- Mehrere Personen betrifft
- Verbesserungspotenzial hat
- Rechnungsfreigabe
- Urlaubsantrag
- Kundenanfrage bearbeiten
- Neukunden-Onboarding
Schritt 2: Stakeholder identifizieren
Wer ist am Prozess beteiligt?
- Prozessverantwortlicher
- Ausführende Mitarbeiter
- Empfänger des Ergebnisses
- Genehmigende Personen
Schritt 3: Ist-Prozess erfassen
Dokumentieren Sie, wie der Prozess WIRKLICH abläuft – nicht wie er ablaufen sollte.
Interview-Fragen:Schritt 4: Prozess visualisieren
Erstellen Sie das Diagramm:
Schritt 5: Validieren
Gehen Sie das Diagramm mit allen Beteiligten durch:
- Stimmt die Reihenfolge?
- Fehlen Schritte?
- Sind die Verantwortlichkeiten korrekt?
- Gibt es Ausnahmen?
Schritt 6: Optimierungspotenziale identifizieren
Für eine datengetriebene Analyse Ihrer Prozesse kann Process Mining eine wertvolle Ergänzung zum manuellen Mapping sein.
Suchen Sie nach:
- Wartezeiten: Wo liegt der Prozess still?
- Doppelarbeit: Wird etwas mehrfach gemacht?
- Medienbrüche: Wo wird zwischen Systemen gewechselt?
- Manuelle Schritte: Was könnte automatisiert werden?
- Engpässe: Wo staut es sich?
- Fehlerquellen: Wo passieren häufig Fehler?
Kostenlose Tools für Process Mapping
Für Einsteiger
| Tool | Preis | Vorteile |
|---|---|---|
| Miro | Kostenlos (3 Boards) | Intuitiv, kollaborativ |
| Lucidchart | Kostenlos (3 Dokumente) | Viele Templates |
| draw.io | Komplett kostenlos | Keine Registrierung nötig |
| Google Drawings | Kostenlos | In Google Drive integriert |
Für Fortgeschrittene
| Tool | Preis | Vorteile |
|---|---|---|
| Signavio | Ab 25€/User/Monat | BPMN-Standard, Enterprise |
| Camunda | Open Source + Enterprise | Direkt ausführbar |
| Microsoft Visio | Ab 5€/User/Monat | Office-Integration |
Process Mapping Template
Hier ein einfaches Template für Ihren ersten Prozess:
PROZESS: [Name des Prozesses]
DATUM: [Erstellungsdatum]
VERSION: [1.0]
VERANTWORTLICH: [Name]
TRIGGER: [Was löst den Prozess aus?]
SCHRITTE:
[Wer] [macht was] [in welchem System]
→ Dauer: [X Minuten]
→ Output: [Was entsteht]
[Wer] [macht was] [in welchem System]
→ Dauer: [X Minuten]
→ Output: [Was entsteht]
ENTSCHEIDUNG: [Frage]
→ Ja: Gehe zu Schritt X
→ Nein: Gehe zu Schritt Y
[...]
ENDE: [Was ist das Ergebnis?]
PROBLEME/NOTIZEN:
- [Bekannte Probleme]
- [Verbesserungsideen]
Häufige Fehler beim Process Mapping
1. Zu viel Detail am Anfang
Starten Sie mit dem Big Picture, dann zoomen Sie rein.
2. Soll-Prozess statt Ist-Prozess
Dokumentieren Sie erst die Realität, dann optimieren Sie.
3. Nur eine Perspektive
Fragen Sie alle Beteiligten, nicht nur den Chef.
4. Keine Aktualisierung
Prozesse ändern sich – Ihre Dokumentation sollte es auch.
5. Zu komplexe Notation
BPMN ist mächtig, aber nicht immer nötig. Keep it simple.
Von der Prozessmap zur Automatisierung
Ein gut dokumentierter Prozess ist die Basis für Automatisierung. Nach dem Mapping fragen Sie sich:
Kann dieser Schritt automatisiert werden?- Regelbasiert? → Automatisierbar
- Immer gleich? → Automatisierbar
- Daten von A nach B? → Automatisierbar
- Kreative Entscheidung? → Nicht automatisierbar
- Menschliche Interaktion nötig? → Teilweise automatisierbar
| Prozesstyp | Automatisierungspotenzial |
|---|---|
| Datenübertragung | 100% |
| Benachrichtigungen | 100% |
| Genehmigungen | 80% |
| Dokumentenerstellung | 70% |
| Entscheidungen (einfach) | 60% |
| Kundeninteraktion | 40% |
| Kreative Aufgaben | 10% |
Weiterführende Artikel
- Prozessoptimierung-Methoden: Die besten Ansätze im Vergleich
- Process Mining: Prozesse datenbasiert analysieren
- Was ist Prozessautomatisierung? – Von der Theorie zur Praxis
- Workflow-Automatisierung: Konkrete Beispiele aus der Praxis
Nächste Schritte
Sie haben Ihre Prozesse gemappt und wollen automatisieren?
Process Mapping ist der erste Schritt. Der zweite ist die Umsetzung. Wir helfen Ihnen dabei, vom Diagramm zur funktionierenden Automatisierung zu kommen.